Wenn jemand dich fickt, dann zahlst du es ihm heim. Es geht um Rache. Darum, niemals zu vergessen. Vergebung gibt es erst, wenn alles abgegolten ist. Wenn jemand dich abzockt, zahl es ihm heim. Aber doppelt. Wenn jemand dein Pausenbrot abzieht, klau seine Geldbörse. Wenn jemand deinen Füller zerbricht, brich ihm die Finger. Wenn jemand deine Freundin fickt, fick seine Mutter. Pass sie mit einem Rasiermesser bewaffnet vor ihrem Haus ab. Mach sie fertig, tritt ihr in die Fresse, lass sie blutend auf dem Asphalt liegen.
Alle lieben die Piraten! Eine neue, frische Partei mit unkonventionellen Ideen. Eine Gruppe internetaffiner Leute, die die so öde anmutende Parteienlandschaft Deutschlands aufmischt. Endlich jemand, der die politikverdrossene Jugend zurück zur eigentlichen Politik führt.
Und auch die Vorstellungen der Piratenpartei klingen für Sozialromantiker super: kostenloser Nahverkehr, bedigungsloses Grundeinkommen, kein Urheberrecht. Ja, das klingt doch alles echt klasse. Also beim nächsten Gang zur Wahlurne bleibt nur der logische Schluss: Mach dein Kreuz bei den Piraten.
So schnell, wie die Piraten aufgetaucht sind, genauso schnell müssen sie feststellen, dass Parteien, die im ständigen Fokus der Öffentlichkeit stehen, pausenlos gebasht werden. Und bei den Piraten gibt es so viel, das sie angreifbar macht.
Fangen wir mit simpler Unwissenheit an. Die Piraten rundum ihren Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz haben keine Ahnung von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das geben sie auch offen zu. Immerhin. Internet, Urheberrecht, Bürgerrechte - das sind die Meere, auf denen die Piraten sicher segeln. Wichtige Themen, zweifellos. Aber halt nicht die einzigen. Schade eigentlich!
Wer will sich von jemandem führen lassen, der von den wichtigen politischen Aspekten keine Ahnung hat? Eigentlich keiner, aber das schadet den Umfragewerten der Partei nicht im mindesten. Die Piraten sind halt anders. Hippe Nerds (Oxymoron!), die im Gegensatz zur CDU was vom Internet und den Belangen der User verstehen. Da kann man auch schonmal verzeihen, dass die Piratenpartei mit dem politischen Wissen eines Achtklässlers in den Wahlkampf zieht.
Auch die Idee der Basisdemokratie, leidenschaftlich von den Piraten ausgeführt, ist an sich eine super Idee. In der Theorie, wie der Kommunismus auch. Ist halt blöd, dass das nicht so geklappt hat. Allerdings führen die basisdemokratischen Entscheidungsvorgänge der Piraten zu absurden Szenarien.
Jeder, der in einer Partei aktiv ist, hat eine politische Meinung. Logisch! Und die will er natürlich äußern. Auch logisch! Schade nur, dass das bei den Piraten so leicht nicht ist. Bevor irgendwer, der bei den Piraten ganz oben steht (aber natürlich gibt es kein Oben und Unten, alle lieben sich und stehen auf einer Stufe. Alles klar?), sich zu etwas in der Öffentlichkeit äußern darf, muss das mit der Basis besprochen werden. Die Piraten, den Freiheitsbegriff auf die Fahnen geschrieben, verbieten ihren eigenen Mitgliedern also das Reden! Ziemlich heavy! Würde sich der normale Politinteressierte so etwas gefallen lassen? “Erst redest du mit uns drüber, dann kannst du vor Kameras davon sprechen.” Wer will das hören? Wer würde darauf überhaupt hören? Für freie Meinungsäußerung wurde in diesem Land oft gekämpft. Und da überrascht es umso mehr, dass eine Partei sich mit offen faschistoiden Methoden dagegen ausspricht. Aber hey, wenigstens der Beitritt ist freiwillig. Wer also gerne seine Meinung äußert, ohne Gefahr laufen zu wollen, dass diese zensiert wird, der sollte den Piraten besser nicht beitreten.
Aber es geht noch tiefer. Da liegt was im Argen in den Kajüten der MS Bundestagseroberung. Die Piraten haben ein Problem mit den Rechten! In der eigenen Partei! Nazistische Meinungen in einer freiheitsliebenden Partei? Da läuft doch irgendwas schief.
Was haben wir da? Einen Holocaustleugner (nicht auszumalen was so einem in der Öffentlichkeit passieren würde, hätte er ein CDU-Parteibuch), ein Israelfeind, ein paar ehemalige NPD-Mitglieder.
Wie sieht das genau aus? Naja, der Holocaustleugner unterstützt nur Theorien eines anderen Holocaustleugners. Der Israelfeind twittert: “ok. ich bin also antisemit weil ich die israelische kackpolitik und den juden an sich unsympatisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt.” Das ist nicht nur sprachlich mehr als holprig. Und dann noch die ehemaligen NPD-Mitglieder. Alles Jugendsünden! So sagt es zumindest Sebastian Nerz. Na dann ist ja gut! Ein bisschen rechts früher, das reicht für viel Pirat heute!
Das Problem liegt natürlich in der Toleranz. Die Piraten sind tolerant bis zum Erbrechen. Dazu gehören dann halt auch rechte Vergangenheiten oder islamnahe Holocausteinstellungen. Die Toleranz dre Piraten endet wahrscheinlich erst dort, wo ihnen der Internetzugang gemopst wird. Aber sonst - geht eigentlich alles!
Was soll man nur mit den Piraten machen? Eine junge Partei mit guten Ansätzen, die zwar oft genauso realistisch sind wie Mittelerde, aber immerhin…Gehen die Piraten also bald wieder in einem Shitstorm unter? Ja, gute Frage. Wer kein Problem mit ein bisschen rechts, dem Verbot einer eigenen öffentlich geäußerten Meinung und unrealistischen Zielen hat und der dazu noch keine Ahnung von Wirtschaft hat, der kann die Piraten bedenkenlos wählen. Für alle anderen heißt es hoffen, dass die etablierten Parteien irgendwann doch noch hip werden! Wenn der Tag kommt, an dem Angela Merkel im Bundestag beim Zocken von World of Warcraft erwischt wird, benötigt die Politik auch keine Piraten mehr.
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Das erste Semester ist vorbei, und ich erinnere mich an nichts. Nur vereinzelte Bilder tauchen auf, unzusammenhängend, schemenhaft, lose Teile eines Puzzles. Ich werde versuchen, einige davon wieder zu einem Ganzen zusammen zu fügen.
Ein erstes Gespräch im Audimax, in der ersten Woche. Eine Vorstellung, dann ein paar Sprüche über die Spanischdozentin, die gerade den Raum betreten hatte. Nichts besonderes, aber ein erster Schritt.
Eine erste Party auf dem Campus. Betrunken, tanzend, an die Bar geklammert. Auf einem Sessel neben einem Sangriaeimer, gefüllt mir riesigen Strohhalmen, ein Kommilitone im Koma. Wer sich das Studentenleben als große Party mit viel Freizeit vorgestellt hat, der hatte recht. Viele beschweren sich, dass sie zu viel zu tun hätten. Ich sehe das nicht so. Und die Bilder dieser ersten Nacht scheinen mir recht zu geben. Ein erster Kuss zwischen zwei noch kürzlich Fremden. Eine betrunkene Studentin aus einem anderen Studiengang, mit der Libido einer asiatischen Prostituierten. Sind alle angehenden Sozialwissenschaftlerinnen so?
Weitere Bilder des Abends: alles ist in Blau getaucht, denn das war das Motto des Abends. Freshman aufgereiht auf einem alten Sofa, lachend, trinkend, schon betrunken. Warst du jemals so nah am Leben? Hübsche Frauen hinter der Bar, die freundlich Drinks ausgeben. Es sind Gesichter, die das ganze Semester über nicht verschwinden. Es bleiben Unbekannte, die einen sicher in den Rausch führen.
Nächste Party, Erstieralley. Erst trinken vor einer Bank, dann in einer Bar, wieder auf der Straße, schließlich betrunken sein, in einer weiteren Bar, und in noch einer. Am Ende ist man nur noch zu viert, dann zu zweit, allein. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer blonden Studentin, die mir damals noch nah war, dann aber immer mehr verschwand. Heute ist sie ein Schatten im Hörsaal, weit hinten, unbekannt. Sie hat das gleiche Schicksal erlitten wie die vier Freunde in Stand by me.
Es gab auch Vorlesungen. Man mag es kaum glauben. Ich habe in vielen gelesen. Einige interessierten mich sehr, andere überhaupt nicht. Viele Dozenten, die vorbeiziehen. Alt und jung, frisch und verbraucht, viele maßlos von sich und dem, was sie tun, überzeugt. Aber egal – jeder kann tun, was er will. Nur unterrichten sollte er dann nicht. Vorträge wurden gehalten, viele Filme geschaut, und in der flackernden Dunkelheit eines Filmes aus den Zwanzigern sah ich Köpfe auf Tische sinken, zu müde, um Stummfilme zu ertragen, während die letzten Reste Bier den Körper verlassen. Nach einer harten Nacht am Hassel sind selbst Filme zu viel.
Und es gibt doch Dinge, die ich nicht vergessen kann. Es sind die Menschen. Manche immer entspannt solange die Haare sitzen. Andere fremd, weil unsympathisch. Leute, mit denen man sich nie unterhalten und es eigentlich auch nicht vorhat. Gute Freunde, die durch die Nacht lachen mit einem. Einer, der bei jeder Party dabei ist und einmal sagte, „Ein Wochenende, an dem nicht gefeiert wird, ist ein verschwendetes Wochenende.“ Es ist der Sinnspruch einer ganzen Generation, und er ist wahr. Flüchtige Bekanntschaften, deren Worte man im Dunkel nie erwartet hätte. Fremde Gesichter, die im Gespräch plötzlich klar werden, die sich eingravieren und hängen bleiben. Eine wandelnde Idee von Wissen, die sich für die menschliche Offenbarung hält und damit schnell gegen alle Wände fuhr, die im Weg standen. Menschen kann man nicht vergessen, und diese bleiben noch lange.
Cello, nicht gesungen von Clueso und Udo Lindenberg, sondern von drei betrunkenen Studenten, die vergeblich auf eine Bahn warten. Religiöse Vorurteile, weggewischt und aus den Angeln gehoben. Ein ständig lachendes Gesicht, das Grimassen schneidet, Filme mit viel Blut und oft auch wenig Sinn schaut, harte Musik hört und poetische Worte erschafft. Ein Automat mit Heißgetränken, der das gesamte verdammte Matrikel versorgt. Kaffee, heiße Schokolade, Cappuccino, whatever…
Ein paar Nächte und auch Tage gingen im grünen Rauch unter. Da ist nichts dabei. Kein Stress, und alle entspannen sich.
Wir rasen vorwärts. Die Kalenderblätter fallen. Oktober, November. Wir beginnen zu tanzen. Dezember, Januar. Und wir tanzen noch immer, enger, näher, den Atem der anderen spürend, und wir wissen, was wir bewegen können. Februar, und wir warten auf den letzten großen Knall, bevor das Semester endgültig zu Ende ist.
Ich bin gerade in der richtigen Stimmung, um mich in einem Blogeintrag auszukotzen. Und ich habe auch schon das richtige Thema: die Universitätsbibliothek Magdeburg.
Wie einige von euch vielleicht wissen, habe ich eine Ausbildung in einer Bibliothek gemacht, genauer gesagt, in der Universitätsbibliothek Leipzig. Dort wurde mir alles beigebracht, was Freundlichkeit im Umgang mit den Nutzern bedeutet. Das gehört eigentlich zum Grundwissen jedes Mitarbeiters in einem öffentlichen Betrieb. Bei den Mitarbeitern der Unibibliothek Magdeburg scheint das noch nicht angekommen zu sein.
Ich war heute das dritte Mal in der Unibibo. Mein bisher angenehmster Besuch war mein zweiter. Grund: Ich habe mich nicht mit den Mitarbeitern unterhalten müssen. Bei meinem ersten Besuch musste ich mich auch anmelden, logisch! Das übernahmen zwei jüngere Mitarbeiter - Mann und Frau -, und nebst der Tatsache, dass die beiden mich gekonnt ignorierten und offensichtlich keine Lust hatten, Fragen zu beantworten, so wurden mir nach meiner Anmeldung auch keine Informationen zur Bibo und deren Eigenarten gegeben. Da stand ich nun - um sieben Euro leichter; da waren die beiden Mitarbeiter plötzlich ganz schnell dabei, sich mit mir zu beschäftigen -, und wusste nicht, wo ich was finde, wie ich suche, wie die Bibliothek aufgebaut ist. Ich wusste nichts. Nichts! Richtig ist, dass es Einführungen für Gruppen am Anfang des Semesters gibt. Aber das befreit die Mitarbeiter nicht, Nutzer ordentlich in die Bibliothek einzuführen, die sich erst im Laufe des Semesters anmelden. Aber in der allgemeinen Fröhlichkeit der Arbeitsverweigerung scheint der Gedanke bei den Mitarbeitern noch nicht angekommen zu sein.
Heute also mein dritter Besuch. Ich suchte ein Buch, wusste aber nicht, wo es stand. Geh ich also zur Auskunft und frag nach, dachte ich mir. Leichter gesagt, als getan. Vier (!!!) Informationstische waren unbesetzt, an einem Montagnachmittag. Da stand ich also ohne Durchblick und keiner da, der mir helfen konnte. Hin und wieder schlich dann einer der Mitarbeiter - mit betont gelangweiltem Gesicht und furchtbar unter den Studenten und ihren unsäglichen Fragen leidend - zu seinem Arbeitsplatz. Ich nutzte die Chance schnell und fragte nach. Auskunft wurde mir dann auch gegeben, allerdings mit einer unglaublich genervten Visage. Tja, so läuft das in der Unibibo Magdeburg. Erst keiner da, und wenn jemand da, dann unfreundlich.
Vielleicht ist es den lieben Mitarbeitern nicht bewusst, aber: auch Unibibliotheken brauchen Nutzer, selbst wenn es nicht um Gewinn geht. Unibibos erhalten ihr Geld i.d.R. vom Land, und wie viel Mittel eine Bibliothek bekommt, hängt davon ab, wie viele Nutzer pro Jahr kommen. Keine Nutzer, keine keine Bibliothek! Natürlich sind Studenten unfreiwillig von der Bibliothek abhängig. Aber andere, auswärtige Nutzer werden es sich zweimal überlegen, ob sie nochmal in so eine Bibo zurückkommen, wenn man dort so behandelt wird.
Bibliotheken kranken allgemein an älteren Mitarbeitern. Die meisten sind sowieso IMMER schlecht gelaunt, patzig und frustriert. Ob es am technischen Fortschritt liegt, von dem sie sich überrollt fühlen, an (sexueller) Frustration oder am allgemeinen Hass auf junge Studenten, die ihr Leben noch vor sich haben, weiß ich nicht. Ich habe in meinen drei Jahren Ausbildung den Unterschied deutlich gemerkt: junge Mitarbeiter sind motivierter, freundlicher; sie sind sogar bereit, mehr als gefordert zu tun. (Die beiden jungen Mitarbeiter aus der Unibibliothek Magdeburg sind von dieser Beschreibung ausgenommen.)
Ganz anders sieht das bei älteren Mitarbeitern aus. Leute ab vierzig, fünfzig, die in Bibliotheken arbeiten, scheinen nur auf ihre Rente zu warten. Zeit absitzen und dabei beobachten, wie der Arsch immer fetter wird. Neuerungen auf der Arbeit werden grundsätzlich misstrauisch betrachtet. Auf eingerostete Verlässlichkeiten möchte man nur ungern verzichten. Natürlich trifft das nicht auf alle Mitarbeiter in Bibliotheken zu. Mir selbst schwebt, während ich den Text hier schreibe, eine Mitarbeitern aus der Unibibliothek Leipzig vor. Anfang fünfzig, immer freundlich, hilfsbereit und für jede Frage offen. Davon brauchen Bibliotheken mehr. Dringend!!! Ansonsten schlage ich eine regelmäßige Kontrolle für alle Mitarbeiter vor, um zu sehen, ob Produktivität und Arbeitswille auch noch hinreichend vorhanden sind.
Wenn ich das nächste Mal in die Bibliothek gehe, werde ich es tunlichst vermeiden, mit irgendwem zu reden, der dort arbeitet. Sie wollen’s nicht, ich will’s nicht- also warum die Mühe? Damit wäre allen geholfen!
Somewhere”, war da zu lesen und: “Population Zero”. In diesem Ort namens Irgendwo, Einwohnerzahl null, hielten wir. “Hier sitzen wir an Sommerabenden”, sagte Marc, “essen hobo stew und stellen shootouts nach.” Joe nickte versonnen. Landstreichereintopf - ich hatte ihn nie gekostet, nicht einmal gehört hatte ich davon, aber ich schwöre, ich hatte den Duft in der Nase und sah sie lebhaft vor mir, die großen Kinder von Waterville, wie sie sich den Eintopf schmecken ließen und die Schießereien der wilden, alten Zeit nachspielten in ihrem Irgendwo hinterm Fluß, nur erreichbar per Traumdraisine, gelegen auf einer geheimen Lichtung im Wirklichkeitswald, dort, wo sich Little und Big Blue River vereinten und wo die Erinnerung an ein Amerika hauste, das es nicht mehr gab.
Post with 6 notes
Es gibt so einige Dinge, die mir richtig auf den Zeiger gehen. Dazu gehört schlechte Musik im Stile von David Guetta, Castingshows egal in welcher Form, banale Bücher wie Twilight, enervierende Menschen, die Deutsche Bahn. Und ganz aktuell, da heute wieder bestätigt: Kunst und die Leute, die sie machen und sich damit befassen.
Damit meine ich nicht Musiker, Schriftsteller oder Maler. Auch Architekten zähle ich nicht dazu oder irgendeine andere Form sinnvoller Kunst. Auf was ich mich beziehe sind Dinge, die einem als Kunst verkauft werden, aber keine sind. Beispielsweise ein Gemälde, auf weißem Hintergrund, das nur aus drei roten Strichen quer überm Bild bestehen. Das ist keine Kunst. Genau wie offensichtlich mit Absicht schlecht geschriebene Dialoge in Filmen für mich kein stilistisches Mittel und damit auch keine Kunst sind.
Allgemein lässt sich sagen, dass es viele Bilder gibt - und Bilder sind das, was ich am meisten mit meiner Antipathie zur Kunst verbinde-, die wirklich fantastisch sind. Detailgetreue Menschensammlungen, eindringliche Landschaftsbilder (auch wenn diese sich immer am Rand der absoluten Banalität bewegen) und noch vieles mehr. Wovon ich rede sind lieblos hingeworfene Farbenauswüchse, von einem bekifften “Künstler” hingeworfen, der sich danach auch noch bei Ausstellungen seiner “Meisterwerke” hinstellt und mir, mit dem obligatorischen Glas Rotwein in der Hand, allen Ernstes erklären will, der schwarze Strich auf gelbem Hintergrund stellt ein Selbstporträt dar. Wenn ich in eine Kunstgalerie kotze und dabei eine pittoreske Form entsteht ist das keine Kunst. Also sind auch Sachen wie verbeulte Drahtgestelle keine Kunst, gottverdammt.
Ein Beispiel: Nehmen wir an ich habe eine leere Eistüte in meiner Hand. Das ist nichts besonderes; es ist auch keine Kunst, und niemand würde behaupten, es wäre welche. Lege ich nun aber diese leere Eistüte - dabei ist die Sorte total egal, yeah -, auf ein illuminiertes Podest, dann, ja dann ist das Kunst. Ich kann es ausstellen und darauf warten, dass eine gelangweilte Bankiersfrau mein “Werk” kauft und mit nach Hause nimmt. Eine schöne Vorstellung, wie sie das Bild betrachtet, während sie sich den Finger in den Hals steckt.
Das Einzige, was schlimmer ist als pseudo tiefsinnige Kunst, sind die Leute, die damit zu tun haben. Da hätten wir zum einen den Künstler. Pinsel in der Hand, den unverzichtbaren Schal über die Schulter geworfen. Ja, dann fehlt nur noch ein Pappkarton, gegen den dreimal getreten wird, und voíla, es wurde Kunst geschaffen. Ist das nicht einfach wunderbar?
Aber das wahrhaft fantastische an der Kunst ist, dass man jeden Schrott als Kunst verkaufen kann. Schaut euch mal in eurem Zimmer um. Habt ihr etwas, das nutzlos ist, euch stört und das ihr schon lange wegschmeißen wolltet? Wenn ja, dann schmeißt es nicht weg. Hängt ein Preisschild dran und stellt es in einer großen, luftigen Gallerie aus. Ihr habt vielleicht Millionen im Schrank oder unterm Bett liegen, und ihr wisst es nicht einmal.
Aber zurück zu den Leuten der Kunst. Künstler sind schrecklich, das sage ich so, und das bleibt auch so stehen. Künstler sind überheblich, halten sich pauschal für was besseres und meinen, die Welt so gut zu verstehen wie es sonst niemand vermag. Auch umgibt sie ein Hauch von - meist gespieltem, nie gefühltem - Weltschmerz. Dieser ist unvermeidlich für den Mythos als Künstler.
Künstlern wird viel nachgesehen mit der einfach Begründung, dass sie eben exzentrisch seien. Das gleiche könnte man auch über Kim Jong-Un, Hitler oder Josef Stalin sagen. Wer andere Ansichten vom Leben hat - am besten welche, die total freaky und unangepasst sind -, dann kann sich diese Person auch mal mehr erlauben. Warum Künstlern dieses Sonderrecht zugesprochen wird? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht sind die Personen aus dem nächsten Absatz nicht unwesentlich Schuld an der ganzen Sache.
Und das sind: die Kunstliebhaber. Ja, ich sehe sie vor mir: brillentragende Frauen Mitte Vierzig, ein Gläschen Rotwein in der Hand, die Perlenkette um den Hals, unnachahmlich nicht zueinander passende Klamotten - so stehen sie vor einem Gemälde und philosophieren mit dem kraushaarigen, fettleibigen, jeglichem Stil verweigernden Teil der männlichen Kunstaficionados über den Weltenschmerz, den der geschundene Künstler mit dem Bild ausdrücken wollte. Das würden sie übrigens auch tun, stünden sie vor einer gänzlich weißen Leinwand. (Mehr ist ja auch in der Regel bei der von mir gemeinten Nicht-Kunst zu sehen).
Künstler und Kunstliebhaber haben eines gemeinsam: eine schier unerträgliche Arroganz. Nichtwissende, Außenstehende, die nicht jedes hingerotzte Fleckchen Farbe als Wiedergeburt des menschlichen Genies feiern, sind dumm, kleinbürgerlich und fast schon ekelhaft. Sie verstehen es einfach nicht - die Sache, die Kunst. Das ist sowieso das beliebteste Argument der Kunstliebhaber. Wenn man ihnen nicht zustimmt, dann sagen sie, “Das verstehst du nicht. Das ist Kunst.” Dieser Satz ähnelt dem oben erwähnten, aber hier formulierten Ausspruch, “Ich bin so. Ich bin Künstler”, wahlweise auch, “Der darf das. Der ist Künstler.” Wirklich, jeder Verteidiger der Kunst sollte sich ein Buch über richtiges Debattieren kaufen.
Was bleibt also? Mein Rat: Sich auf richtige Kunst konzentrieren, Galerieeröffnungen und Meet-and-Greets mit Künstlern vermeiden und am besten mit niemandem über Kunst reden, der verdächtig früh am Tag nach Rotwein stinkt. Man wird schneller als unwissend und dumm beschimpft, als mancher Künstler sich seine Heroinspritze setzen kann.
Post with 1 note
You we’re on your way…
Einzelne Zeilen, hingeworfen, die dich in die Dunkelheit der Nacht treiben. Wir rennen durch die Gefühle einer endlosen Partynacht, betrunken, laut schreiend den Lichtern entgegen. Wenn die Sonne verschwindet, der Alkohol fließt und man tanzt, als gäbe es kein Morgen mehr, als würde die Welt untergehen, wenn man stehen bleibt - dann beweg’ ich mich mit dem Traum der Unsterblichkeit, der nur einen Moment zu verweilen scheint.
Und ich träume und ich träume, dass alles sich ändert. Die Jungs werden sauber, die Mädchen liegen am Strand an einem Nachmittag im Juni. Beine glänzen in der Sonne, Köpfe tauchen aus dem Wasser auf, das vereinzelte Lachen eines Mädchens, das die Welt vergisst. Wenn ich euphorisch einen bestimmten Song begrüße, dann spüre ich, wie der Umschlag sich biegt, der uns gefangen hält. Immer ist da das Ziel, etwas besseres, etwas höheres zu erreichen. Wenn man Gedanken fließen lässt, weiß man nie, was passiert…
We are within a mile of home…
Dreh’ dich nicht weg, lass mich nicht im Stich. Wir sind fast zu Hause. Und wir rennen und rennen, bis wir vergessen, wo das Ziel war. Eine Wunsch, eine Hoffnung, die wahr wird, treibt an, lässt den Weg vergessen und ertränkt alles in der Poesie. Das Leben der Dichter, vermischt im Trubel der Nacht, dem grellen Licht einer Bar, vergessen von den unendlichen Möglichkeiten.
Wenn du dich selbst neben einer leeren Bierflasche sterben siehst, dann ist es zu spät. Du bist aufgestiegen, auf den Zug. Aber irgendwann bist du ausgestiegen, an der falschen Station, und du hast es verpasst, wieder auf den Zug aufzuspringen. Das Dampfen alter Erinnerungen verblasst am Horizont, und nichts macht einen Sinn, während du eine deiner Hoffnungen verschwinden siehst.
Bezeuge die Schönheit
Wir gehen immer noch, durch die Nacht, den Lichtern entgegen. Durch Baumkronen, am Ende der Straße, eingehüllt im Nebel - überall bricht sich das Licht und hinterlässt seine Spuren. Vereinzelte Strahlen beleuchten einen Fleck am Boden, der die Welt bedeutet. Wiedergespiegelte Träume, von Fremden aufgegriffen, neu belebt, ihrem wahren Kern zugeführt.
Und wir suchen die Schönheit. Denn nicht alle Dinge sind von Natur aus hässlich. Viele erscheinen so, andere werden dazu gemacht, getrieben. Aber wir drehen uns heraus, und wir machen weiter.
Eine Hand schließt sich um die andere, Berührungen schüchtern in der Nacht ausgetauscht, die nicht wissen, welchen Zweck sie am Ende aller Dinge wirklich haben werden. Ein Buchseite, im Dunkel vorgelesen, umgeschlagen, zerdrückt. Wissen, Information, ein Reim - vergessene Schatten einer ungehörten Erzählung. Alles ist möglich, wenn die Unsterblichkeit oder das Gefühl davon neben einem sitzt.
Wie das Wetter sich verändert
Eine letzte Bewegung, eine Hand, die zum Abschied winkt. Verschlafene Gesichter, verschwindend, die erst am nächsten Morgen zwischen den Laken auftauchen und nicht wissen, wo sie sind. Erwähne, was es war. Was es ist. Was hätte sein können. Und was niemals sein wird. Ein letzter ausgestreckter Finger, den niemand ergreift.
Zwei Schatten, in der Bewegung verwandt, vereinen sich als Shilouette an der Wand. Türen schließen sich, Lichter gehen aus, und wir werden vergessen, was gewesen ist. In so einer Nacht, die durchdrungen ist von Lichtern am Horizont, die dich zu sich rufen, gibt es nichts, das des Erinnerns wert ist. Nur das Gefühl, etwas einmaliges im schnellen Rausch erlebt zu haben.
I touch you once, I touch you twice
I won’t let go at any price
I need you now like I needed you then
You always said we’d meet again someday
Post with 14 notes
Der Bau von Stuttgart 21 geht weiter! Für realitätsnahe Menschen mit Hang zum Fortschritt wie mich eine gute Nachricht. Für die im Sozialkitsch ersaufenden Anhänger der Grünen und alle anderen Baumumarmer geht die Welt unter.
Aber so schlimm ist das doch alles gar nicht. Stuttgart arbeitet weiter daran, mit guter Netzbindung zur Metropole zu werden. Warum das schlecht ist? Zu teuer, umweltfeindlich und so weiter. Das sind die Argumente der Stuttgart 21-Gegner. Und der Eindruck, der durch ständige Proteste in der Öffentlichkeit entstand, suggerierte, dass eigentlich alle gegen Stuttgart 21 sind, die damit in Berührung kommen. Der schließlich beschlossene Volksentscheid sollte dies bestätigen.
So war zumindest die Vorstellung der “Verfechter der guten Sache.” Gestern war nun die Volksabstimmung, und siehe da: Die Bahnhofsgegner sind deutlich gescheitert. Die Mehrheit der Bürger in Baden-Württemberg will den Bahnhof. Ein heftiger Schlag für die Grünen, ausgeführt von der Demokratie.
Was nun, liebe Weltverbesserer? Die Bahn ist doch nicht der Satan persönlich, die Mitbürger haben sich keine Meinung aufzwingen lassen, und sowieso muss man als soziale Partei die sozialste aller Staatsformen, die Demokratie, mit all ihren Ausläufen respektieren. Dass weiter demonstriert wird, wurde schon angekündigt. Dass das die Grundfesten einer von der Meinung des Volkes getragenen demokratischen Entscheidung nicht erschüttern sollte, ist (hoffentlich) gegeben. Die Macher von Stuttgart 21 haben Recht bekommen. Die Gegner nicht.
Die Bürger in Deutschland erwarten ein Mitspracherecht in Sachen Politik. In Stuttgart haben sie die Chance bekommen. Und wenn man diese Möglichkeit bekommt, sollten auch die Leute das Ergebnis anerkennen, die sich ein anderen Ausgang gewünscht haben. Gerade die Grünen, die von sich selbst behaupten, die Belange der Bürger zu vertreten, sollten die Stimme der Menschen vernehmen und akzeptieren. Alles andere wäre ein Angriff auf die demokratische Verfassung Deutschlands.
Post with 2 notes
Nachdem ich nun seit über einem Monat meine Heimatstadt Leipzig Richtung Magdeburg verlassen habe, muss ich mich dazu doch auch mal äußern. Dachte ich mir zumindest so. Ich habe eine Weile nichts mehr in meinem Blog geschrieben. Warum also jetzt wieder? Ganz einfach: die Lektüre von Lina Ben Mhennis Streitschrift “Vernetzt euch”, in dem sie von ihrem Blog und dem damit verbundenen Kampf in Tunesien gegen den inzwischen gestürzten Diktator Ben Ali berichtet, ist unglaublich inspirierend. Es erweckt in einem den Wunsch, die gedankliche Freiheit in Worte zu fassen. Nun kommt bei mir noch all das hinzu, was ich hier neues in Magdeburg erlebt habe. Eine Mischung aus politischem Geist und Reiseliteratur also. Ich versuche, was draus zu machen.
Einen Ort für einen anderen zu verlassen kann eine große Sache sein. Neue Gedanken, fremde Einflüsse, unbekannte Menschen. Was ensteht dabei? Ein Geist, der durch die Nacht jagt, angefüllt mit selbstgewähltem Wissen, auf der Suche nach Antworten, Weisheiten, dem richtigen Weg. Ich tanze auf der Spitze des Eisbergs, der auf Möglichkeiten und Abzweigungen gebaut ist. Wenn ein Gesicht hinter einem Feuerzeug in einer dunklen Bar aufleuchtet, weiß man, dass man nicht mehr zu Hause ist. Vorallem, wenn die Schatten unbekannt sind.
Das Leben im Studium bietet vieles. Lange Gespräche, auf einem verranzten Sofa geführt, betrunken, mit Bier in der Hand, über die Welt, das Studium, die Menschen, das Ende von allem. Eine langweilige Vorlesung, die mit nichts gefüllt ist. Die Lichter einer noch fremden Stadt, die sich in der Nacht erheben und am Firmament scheinbare Formen annehmen. Eine Bus- oder Bahnfahrt nach einer Party, in einem leeren Bus, der die dunkelsten Stellen der Stadt erkundet. Es sind Orte, an denen Geschichten liegen, versteckt unter Verzweiflung, daran gehindert, erzählt zu werden, einzig deshalb, weil niemand da ist, der sie erzählt. Eine Straßenbahn, mit ihren hellerleuchteten Fenstern, die durch die Dunkelheit schneidet. Und am Ende die Shilouette eines Fremden, die vor einem verschwindet und alle Ängste mitnimmt.
“Ein freies Elektron kennt keine Grenzen.”
Das ist nur ein Zitat aus Mhennis Buch, das sich zu erwähnen lohnt. Es ist die Rede von politischer Hemmung, dem Kampf gegen Zensur, für Frauen- und vor allem Menschenrechte. Universelle Gedanken, die uns alle erfassen sollten. Sie tun es aber nicht. Die Frage ist: Warum? Und die Antwort ist: eine Mischung aus Gemütlichkeit und Ignoranz. Probleme sind immer weit weg; sie betreffen einen nicht. Diese allgemeingültige Passivität führt zu Dikaturen. Sie schafft den Nährboden für die Einschränkung der Freiheit im Namen der Sicherheit. Es ist ein Kampf geboten, den niemand annehmen will. Bloß nicht aus der Schale herauskommen, die Dinge nicht hinterfragen, hinter den Mauern bleiben. Der Kampf für Freiheit ist in Mhennis kurzer Schrift gut beschrieben. Man sollte sie lesen, um den Wert zu erkennen, den Freiheit wirklich besitzt. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade im Osten Deutschlands sollte dieser Konsens omnipräsent sein. Er ist es aber nicht. Was bleibt einem da anderes übrig, als traurige Rocksongs über den Untergang der Welt zu singen und zu schreiben?
Vielleich liegt die Hoffnung in der Schönheit. Der Herbst bietet viele Möglichkeiten, diese zu sehen. Ein Weg, unter goldenem Laub begraben. Die Wärme einer Wohnung nach einem langen Marsch durch die Kälte. Das Treiben des Windes, der einen nicht erreichen kann. Wenn sich die Menschen selbst zu Grabe tragen, dann muss man sich an diese Dinge klammern. In der Schönheit gibt es keinen Tod, denn Sterben kann nie schön sein, weil das Gefühl des Verlustes es immer begleiten wird.
Traurige Lieder haben immer eine bestimmte Wirkung auf mich. Sie wecken den Wunsch, aufzustehen, die Wohnung zu verlassen und etwas zu verändern. Oder einfach den Menschen diese Gefühle klarzumachen, die diese Noten in einem auslösen. Es ist ein aussichtsloser Kampf. Denn ein Lied ist für jeden etwas anderes. Bedeutungen verschieben sich, von einem geliebte Zeilen bedeuten dem anderen nichts. Damit muss man sich abfinden. Aber vielleicht hat man Glück und findet jemanden, der bei einem Song das gleiche empfindet. Es wäre zu wünschen.
Was soll ich aus dieser Mischung aus Politik, Gesellschaftsabgesang und Studieneindrücken machen? Ich lasse sie unkommentiert, im Geist der freien Gedanken, den mir Lina Ben Mhenni mit ihren 46 Seiten vor Augen geführt hat. Für manche Gedanken gilt das gleiche wie für Lieder oder Bücher. Man sollte sie nicht analysieren, weil sie dann ihren Wert verlieren. Schönheit ist nicht wie Politik; man muss sie nicht hinterfragen. Man lässt sich darauf ein und erkennt, warum eine Sache schön ist. Schönheit ist Leben. Und wenn man sich nicht darauf einlässt, verpasst man vielleicht eine der Geschichten, die am Wegesrand wartet und erzählt werden will.

Platz 4 der Suchtipps bei web.de: Haarausfall.
Wird Deutschland bald völlig haarfrei sein?
Schwierige Zeiten…
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